Die Geschwister-Beziehung stärken

Neulich beim Baden haben meine beiden Kinder so wild geplanscht wie noch nie. Mein 1. Gedanke hatte mit mir selbst zu tun: „Ich habe keine Lust, gleich alles aufwischen zu müssen. Ich möchte das stoppen!“ Dann habe ich aber beobachtet, wie viel Spaß sie zusammen hatten: sie haben laut und ausgiebig gelacht und sich so toll verstanden. Also habe ich ein Riesen-Handtuch hoch gehalten, damit zumindest ein Teil des Bads geschützt wurde, darauf geachtet, dass der Kleine nicht umkippt und mir immer wieder gesagt: „Es geht um die Geschwisterbeziehung! Es geht um die Geschwisterbeziehung!“ und sie machen lassen. Das war wunderbar für alle. Ich wurde zunehmend entspannter und vom Spaß der beiden angesteckt und meine kinder fühlten sich pudelwohl. Und so lange hat das Aufwischen dann gar nicht gedauert…

Meine Idee: Wenn wir Eltern tolle Geschwister-Momente bemerken, sollten wir diese Augenblicke unterstützen. Dadurch, dass wir dem Raum geben und uns zweimal überlegen, ob wir hier unterbrechen wollen, weil wir dadurch vielleicht mehr Arbeit haben, es uns etwas zu laut oder wild ist. Es hilft, sich kurz zu überlegen, warum ich das gerade nicht mag. Das hat oft mit uns selbst zu tun und nicht mit unseren Kindern. Ich habe das Bedürfnis nach Ordnung, Ruhe, Entspannung. Dann schaue ich, ob meine Sorge, dass es mir hier vielleicht aus dem Ruder laufen könnte, berechtigt ist: wie lange dauert das Aufräumen hinterher wirklich? Läuft eines der Kinder Gefahr verletzt zu werden, oder kann ich da entspannt sein? Wie groß ist mein Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung aktuell? Kann ich das auch aufschieben zugunsten der Förderung des tollen Geschwister-Moments? Und wenn ich das durchdacht habe und mich für die Geschwisterbeziehung entschieden habe, kann ich den Moment mit den Kindern zusammen genießen und mich darüber freuen, dass sie sich so gut verstehen. Langfristig lohnt es sich auf jeden Fall, denn ein gutes Familienklima macht weniger Arbeit, als dauernder Streit und Kampf.

Die Geschwisterbindung könnt ihr auch durch Spiele fördern. Hier ein paar Ideen für euch: Aufgaben, die sie nur gemeinsam lösen können, Spiele ohne Sieger*in und Verlierer*in, wie Schatzsuche, Luftballontanz (gerne gegen die Eltern), Gemeinsamkeiten suchen (Aussehen, Hobbies, Charakter), sich zusammen einen Barfußparcours ausdenken und gegenseitig (oder die Eltern) darüber führen, ein Geräusche-memory herstellen, Pizza-Rücken-Massage oder sich gegenseitig zum Lachen bringen.

Viel Spaß dabei!

eure Jessica

die lieben guten (Erziehungs-)Vorsätze

Das Jahr 2019 ist erst 2 Wochen alt und trotzdem stecke ich schon wieder ganz im Alltag. Der Zauber des Neuen, der mich dieses Mal am Neujahrstag tatsächlich einmal packte, ist schon fast wieder verflogen. Ich bin auf ein altbekanntes Problem herein gefallen: ich habe mir zu viel vorgenommen und nun hetze ich meiner To-do-Liste hinterher und fühle mich schon jetzt alt im neuen Jahr.

Ich glaube, viele Eltern kennen dieses Gefühl: wir nehmen uns häufig etwas vor, was uns dann überfordert. Oft ist es entweder zu viel auf einmal oder das Ziel ist zu hoch gesteckt. Manchmal passt es auch einfach nicht zu uns. Das müssen gar keine guten Vorsätze für das neue Jahr sein. Im Erziehungsalltag gibt es immer wieder Situationen, die nicht so laufen, wie wir es gerne hätten. Der Wutanfall des Kindes kommt aus heiterem Himmel, im genau falschen Moment. Erwischt uns eiskalt und auf dem falschen Fuß und wir streiten so laut mit unserem Kind, wie wir es eigentlich nie tun wollten und fühlen uns danach erledigt und niedergeschlagen. Um nur ein Beispiel zu nennen. Im Anschluss denken wir reflektierten Eltern: Da habe ich falsch reagiert. Beim nächsten Mal mache ich es anders. Dann testen wir etwas Neues, lesen ein kluges Buch zum Thema, nehmen uns fest vor, bei der nächsten Gelegenheit alles umzusetzen, was uns beim Lesen oder beim Nachdenken im stillen Kämmerlein so sinnvoll erschien und zack, klappt es wieder nicht. Was ist das nur mit diesen Vorsätzen und warum fällt es so schwer, sie in die Tat umzusetzen?

Zum einen sind es oft zu viele Dinge auf einmal, die wir anders machen möchten. Das überfordert. Es ist fast unmöglich, den Kindern immer sofort die volle Aufmerksamkeit zu geben, immer mit ihnen zu spielen, wenn sie es gerne möchten, jeden Geschwisterstreit zu vermeiden, immer gute Laune und Power zu haben und nie zu meckern oder laut zu werden. Und nicht zu vergessen, Arbeit, Haushalt, Beziehung, eigene Interessen, sowie Hunger, Schlaf- und Ruhebedürfnis, die auch noch Raum finden müssen. Und einige Dinge, die wir in den klugen Büchern lesen oder von denen uns Freunde und Freundinnen berichten, passen einfach nicht zu uns. Sie entsprechen nicht unserem individuellen Lebensstil. Und so verfallen wir, besonders in Stresssituationen, immer wieder in altbekannte Verhaltensmuster. Diese sind schwer aufzulösen. Das stelle ich in meinen Coachings immer wieder aufs Neue fest.

Was hilft?

  • Zunächst schau doch einmal, ob dein Vorsatz realistisch ist. Ist er wirklich umsetzbar und zwar in einer schwierigen Alltagssituation? Oder handelt es sich eher um Wunschdenken, wie perfekte Eltern reagieren müssten.
  • Dann prüfe, ob du dich mit zu vielen Veränderungswün-schen deines Verhaltens überforderst. Reduziere deine Ideen zunächst auf 1 oder 2 konkrete Punkte und probiere diese eine Woche konsequent aus. Z.B. Beim nächsten Wutanfall, schlucke ich meine erste Reaktion herunter, gehe ein paar Schritte zurück und atme fünf Mal tief in den Bauch, bevor ich reagiere. Das ist manchmal schon schwierig genug. Wenn das gut klappt, kannst du dir den nächsten Schritt vornehmen. Z.B. ich halte keinen Vortrag, sondern sage in zwei klaren Sätzen, in einer Ich-Botschaft, was mir gerade nicht gefällt.
  • Und wenn es dir immer wieder schwer fällt das, was du dir vornimmst, auch einzuhalten, kann es sein, dass dieses Verhalten nicht zu dir passt. So einfach. Wer schon als Kind einen chaotischen Schreibtisch hatte und sich darin zu Recht fand, dem wird es als Erwachsene*r schwer fallen, immer überall Ordnung zu halten. Wer immer auf den letzten Drücker Dinge erledigt hat, wird nicht über Nacht zum*zur vorausschauenden Planer*in. Dann probiere etwas anderes aus, was dir mehr entspricht. Und wenn es dich zu sehr wurmt, dann rufe mich an und wir schauen gemeinsam, ob wir deinem Lebensstilmuster auf die Schliche kommen.

Bei all den guten Vorsätzen lasst euch nicht entmutigen! Es ist noch kein*e Erziehungsmeister*in vom Himmel gefallen und ich bin mir sicher, ihr macht alles immer so gut wie ihr könnt. Und wenn es mal nicht rund läuft, ist das absolut menschlich.

Ich wünsche euch und eurer Familie ein glückliches, gesundes und fröhliches Jahr 2019!!!