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Helau und Alaaf – gut gebrüllt ist halb gewonnen?

Ich hoffe, ihr seid alle gut ins neue Jahr gestartet. Nun ist der erste Monat des neuen Jahres schon um und die Faschingszeit steht an.

Bei uns in Hamburg haben wir zu dieser Zeit ja leider nicht (Narren)frei und so sitze ich gerade an der Planung für einen Workshop für Erzieher*innen, um dem mich eine Kita gebeten hat. Wenn ich Seminare plane, streifen meine Gedanken natürlich auch immer Alltagssituationen in Familien. Inspiriert durch meinen kleinen Drachen, der hier zur Faschingszeit gerne durchs Haus streicht und brüllt, denke ich daher gerade über Situationen nach, in denen in Familien gebrüllt wird, ohne dass wir in niedlichen Kostümen stecken. An einem typischen Streit-Auslöser möchte ich euch teilhaben lassen…

Eltern versuchen manchmal, Wünsche, Ansagen oder Aufforderungen an ihre Kinder fragend zu formulieren, um nicht so streng zu wirken. Vielleicht findet ihr euch ja in diesen Fragen wieder:

„Räumst du schon mal auf?“ „Beeilst du dich bitte?“  „Sagst du auch guten Tag?“ „Wollen wir gleich los?“ „Kommst du bitte gleich?“

Oft haben solche Fragen keinen richtigen Erfolg. Das hat verschiedene Gründe:

  • Für kleinere Kinder sind solche versteckten Anweisungen verwirrend. Sie verstehen es nicht als Aufforderung, reagieren darum eventuell nicht und spielen weiter. Es klingt ja auch wie eine Frage, oder noch eher wie eine Möglichkeit, sich dafür oder dagegen zu entscheiden. Aber eigentlich wollen Eltern den Kindern in diesem Fall gar keine Wahlmöglichkeit bieten. Das soll so ein kleiner Mensch einmal verstehen…
  • Größere Kinder kennen das meistens schon von ihren Eltern und wissen, dass sie bei dieser Art Aufforderung noch Zeit haben. Sie warten ab, bis der Ton genervter wird, die Lautstärke zunimmt und vielleicht irgendwann eine Sanktion ausgesprochen wird, wenn der Ansage nicht nachgekommen wird. Das kann schnell in einen Streit oder Machtkampf ausarten.

Häufig sprechen Eltern (besonders wenn sie in Eile sind) ihre Forderungen im Vorbeigehen aus, während sie noch schnell andere Dinge erledigen: „Ziehst du dir schon einmal Jacke und Schuhe an?“ Manchmal rufen Eltern auch quer durchs Haus, weil sie gerade noch in einem anderen Zimmer beschäftigt sind. Am Ende sind Mutter oder Vater dann genervt, weil nichts passiert und sie das Gefühl haben, sie müssten immer alles 100 Mal sagen, bevor etwas geschieht. Vielleicht haben sie tatsächlich bereits 5 bis 10 Mal dasselbe gesagt.

Hilfreich ist es:

  • Aufforderungen nicht hinter Fragen zu verstecken, sondern klar zu formulieren, was man möchte, ehrlich zu sagen was die Kinder bitte tun sollen. „Bitte ziehe dich jetzt an.“ „Ich möchte, dass du jetzt aufräumst, weil wir gleich essen wollen.“ Oder eine Wahlmöglichkeit anzubieten, die auch wirklich eine ist: „Möchtest du vor oder direkt nach dem Essen aufräumen?“ Klar ist aber, dass aufgeräumt wird.
  • Das Brüllen von Ansagen durch die Wohnung macht keine schöne Atmosphäre und die Kinder brüllen irgendwann eventuell auch quer durchs Haus, wenn sie etwas möchten. Schließlich sind Eltern immer auch Vorbilder für den Umgang miteinander. Außerdem kommen Ansagen bei Kindern eher an, wenn Eltern zu ihnen gehen, sie anfassen und ansehen, um sicher zu sein, dass sie auch gehört werden. Es ist zwar zeitintensiver, alles stehen zu lassen und zum Kind zu gehen, aber viel freundlicher und persönlicher als Rufen und es entsteht seltener Streit, denn Eltern und Kinder sind nicht davon genervt, dass alles 100 Mal gesagt werden muss.

Und gebrüllt werden darf dann nach Herzenslust, wenn kleine Löwen, Drachen, Monster oder Piraten zur Faschingszeit durch Kitas und Schulen ziehen. Und einmal richtig Brüllen dürfen, kann auch mal ganz gut tun 😉

In diesem Sinne Helau und Alaaf


Ende Juni wurde unser 2. Sohn geboren, daher biete ich zur Zeit keine regelmäßigen Workshops oder Eltern-Austausch-Abende an. Coaching-, Beratungs- oder Supervisionstermine am Abend oder Workshops in Ihrer Einrichtung sind aber nach Absprache weiterhin möglich. Ich freue mich über Ihre Anfragen!


Termine:

16. und 17.2.18: Seminar zum Thema: Umgang mit „schwierigem“ Verhalten von Kindern im Kita-Alltag in der Kita Philemon in Poppenbüttel

In Planung:

Eltern-Workshop: Mutige Kinder – Gelassene Eltern

Eltern-Workshop: Abenteuer Erziehung: Wie erziehe ich mein Kind konsequent und fair?

Info- und Austausch-Abende für Eltern zu verschiedenen (Erziehungs-)Themen

Sobald Termine feststehen,  werden sie auf der Homepage zu finden sein. Für Fragen stehe ich gerne per Mail oder telefonisch zur Verfügung.


Bei Interesse zu weiteren erzieherischen oder logopädischen Themen und Workshops für Ihre Einrichtung (z.B. Kita, Schule, Sportverein, Elternvereinigung, Praxis…), nehmen Sie gerne Kontakt mit mir auf.